„Das Können des Schweißers bleibt das Entscheidende – die Maschine rechnet nur schneller“ – ein Gespräch mit dem Geschäftsführer von INOX Factory
Wie passen in einem Stahlbaubetrieb in Berettyóújfalu (Ungarn) eine 2.000 m² große Kranhalle, die duale Ausbildung von Schweißern und eine selbst entwickelte künstliche Intelligenz zusammen? Wir haben mit dem Geschäftsführer der INOX Factory Kft. über Engagement, das Team und darüber gesprochen, wofür KI in einem Schweißbetrieb taugt – und wofür nicht.
Die INOX Factory Kft. fertigt in Berettyóújfalu (Ungarn) geschweißte Konstruktionen aus Edelstahl, säurebeständigem Edelstahl und Baustahl – zertifiziert nach EN 1090, ISO 3834-2 und ISO 9001. In den letzten Jahren hat das Unternehmen nicht nur die Halle, sondern auch die Systeme im Hintergrund neu aufgebaut: ein eigenes ERP-System und eine künstliche Intelligenz, die im eigenen Haus läuft. Wir haben den Geschäftsführer gefragt, was davon bei den Menschen ankommt.
„Ich habe keine Fabrik gekauft, sondern Verantwortung für ein Team übernommen“
Fangen wir am Anfang an. Was hält Sie hier – warum gerade Stahlbau, warum gerade Berettyóújfalu?
Wer einen Schweißbetrieb führt, wählt nicht den Stahl, sondern die Menschen. Der Stahl geht abends nicht nach Hause – die Kollegen schon, und morgens entscheiden sie, welche Qualität wir vom Kran auf den Lkw heben. Auf dem Papier gehören unsere Zertifikate – EN 1090 und ISO 3834-2 – dem Unternehmen. In Wirklichkeit liegen sie in den Händen der Menschen, die jeden Tag in der Halle arbeiten. Das hält mich hier: ein Team, dem der Kunde und auch ich ruhigen Gewissens unseren Namen anvertrauen können.
Was bedeutet für Sie Engagement für das Unternehmen?
Dass wir nicht für das nächste Quartal planen. Eine Halle, eine Schneidanlage oder eine Lackiererei baut man nicht, weil sie sich nächstes Jahr rechnet, sondern weil auch die nächste Generation hier damit arbeiten wird. Dasselbe gilt für die duale Ausbildung: Wir sind ein akkreditierter Ausbildungsbetrieb, bei uns lernen Schweißer-Auszubildende. Kurzfristig kostet das Zeit und Aufmerksamkeit, langfristig ist es die Zukunft des Unternehmens.
Über die Kollegen
Sie sprechen viel über Menschen. Was tun Sie im Alltag dafür?
Erstens: miteinander reden. Nicht in Besprechungen, sondern an der Werkbank. Zweitens: Wenn jemand sagt, dass etwas nicht passt – eine Vorrichtung, eine Nahtvorbereitung, ein Termin –, dann ist das keine Beschwerde, sondern eine Information. Der Schweißer sieht, was wir aus dem Büro nicht sehen.
Drittens: Anstand in schwierigen Momenten. Ein kleines Unternehmen hat keine Personalabteilung, die das „regelt“. Da bin ich, und da sind die Kollegen füreinander. Wenn jemand in der Familie Probleme hat, löst das keine Vorschrift, sondern dass die anderen seine Arbeit übernehmen – und er weiß, dass er zurückkommen kann.
Was ist dabei am schwierigsten?
Dass der Liefertermin und der Mensch manchmal am selben Tag dieselbe Aufmerksamkeit verlangen. Der Kunde erwartet zu Recht die Lieferung, der Kollege erwartet zu Recht, dass er sich dabei nicht aufreibt. Das lässt sich nicht ein für alle Mal lösen, man muss jede Woche neu entscheiden. Genau dabei helfen die Systeme – dazu gleich mehr: Wenn Verwaltung und Rechnerei nicht den ganzen Tag fressen, bleibt mehr Zeit für das, was wirklich eine menschliche Entscheidung ist.
Künstliche Intelligenz im Schweißbetrieb
Das erwartet man von einem Stahlbauer nicht unbedingt. Wie kam es zur KI?
Über das Angebot. Bisher haben wir den Preis einer Schweißkonstruktion so ermittelt, dass sich jemand mit der Zeichnung hinsetzte und Bleche, Profile, Nahtlängen, Biegungen und die zu lackierende Fläche berechnete – Stunden, bei einer komplexeren Baugruppe manchmal Tage. In der Zwischenzeit fragt der Kunde bei drei Firmen an, und es gewinnt, wer schnell und genau antwortet.
Heute liest ein eigenes System das 3D-Modell – die STEP-Datei – ein. Es erkennt, welches Teil ein lasergeschnittenes Blech, welches gebogen, welches ein Rohr oder ein Drehteil ist, berechnet Gewicht, Schnittlänge und Schweißnähte und ermittelt den Preis aus unserer eigenen, realen Kostentabelle. Wichtig: Den Preis „erfindet“ nicht die künstliche Intelligenz, sondern eine deterministische Kalkulation, die sich prüfen und nachvollziehen lässt. Die KI hilft dabei, dass ein Kollege ihr Fragen auf Ungarisch stellen, Zeichnungen und Materiallisten anfordern und sogar das Modell erstellen lassen kann, wenn nur eine Skizze vorliegt.
Warum eine Eigenentwicklung und kein fertiger Dienst?
Aus zwei Gründen. Erstens die Daten: Die Zeichnungen unserer Kunden dürfen das Unternehmen nicht verlassen. Unser System läuft im eigenen Haus, die Modelle arbeiten unter unserer eigenen Kontrolle. Zweitens ist das Wissen eines Schweißbetriebs nicht allgemein: Wie lange das Heften bei einem 2-mm-Edelstahlblech dauert oder wann Plasma günstiger ist als Laser – das wissen wir, und genau das steckt im System. Auf derselben Grundlage bauen auch unser eigenes ERP-System, die Werkstattterminals und die Anzeigen in der Halle auf: Die Information ist an einem Ort und erreicht die Menschen, die damit arbeiten.
Haben Ihre Kollegen Angst, dass die KI ihnen die Arbeit wegnimmt?
Wir haben offen darüber gesprochen. Schweißen kann der Computer nicht, und eine Kehlnaht prüft er auch nicht für uns. Was er uns abnimmt, ist die Rechnerei, das Suchen, das dreifache Abtippen. Wenn ein Kollege dadurch einen halben Tag mehr in der Werkstatt verbringen oder sich um einen Auszubildenden kümmern kann, ist mir das wichtiger als jede technische Neuheit.
Und was sich nicht ändert
Wenn wir in fünf Jahren wieder sprechen – was wird anders sein, und was nicht?
Die Maschinen werden andere sein, die Software auch, und ich hoffe, die Halle wird größer. Nicht ändern wird sich, dass ich jeden, der hier arbeitet, mit Namen kenne, und dass der Kunde unter dem Angebot die Unterschrift eines Menschen erhält – auch wenn ein System geholfen hat, die Zahlen zusammenzustellen.
Die INOX Factory Kft. fertigt in Berettyóújfalu (Ungarn) geschweißte Stahlkonstruktionen sowie Baugruppen aus Edelstahl und Baustahl. Wenn Sie ein Angebot wünschen oder sich für die duale Ausbildung interessieren, nehmen Sie gern Kontakt mit uns auf.
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